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Mittwoch, 22. Mai 2013, 00:41

Meine Gedanken zum Join-up

Bekannt gemacht hat das Join-up Monty Roberts: Der Trainer geht mit dem Pferd in einen Round Pen und verhält sich dort wie ein Raubtier: Er scheucht das Pferd weg - mit starken Gesten, der Führleine, die er dem Pferd hinterher wirft usw., bis das Tier bereit ist, sich dem Trainer zuzuwenden. Dann geht der Trainer weg, das Pferd soll ihm (erschöpft?!?) folgen...

Das alles soll der Vertrauensbildung zwischen Mensch und Pferd dienen. Ich habe da so meine Zweifel...

Das Join-up für Pferde Stress. Stell dir das Join-up aus Pferdesicht vor: Ein Pferd, das dir willig folgt, wird plötzlich in den Roundpen gesteckt und von seinem Besitzer ziemlich vehement weggeschickt - in Raubtiermanier, mit offenen Händen fuchtelnden Armbewegungen, Hinterherschmeißen der Longe.

Das Fluchttier Pferd geht auf die Flucht. Es rennt im Kreis (wohin auch sonst) - und kommt nie an. Kein Pferd würde in freier Wildbahn im Kreis laufen!

Join-up ist für Pferde oft eine psychische Extrem-Stress-Situation. Es wird weggeschickt, so wie eine Stute ihr ungezogenes Fohlen wegbeißt, bis es gelernt hat, sich zu benehmen. Auf youtube.com gibt es unendllich viele Videos dazu.

Ich nutze den Roundpen auch, aber nur um mit meinem Pferd frei zu arbeiten. Wie viel Energie brauche ich, um es in den Trab zu schicken? Wie viel Energie muss ich weggnehmen, damit es in den Schritt fällt? Kann es auf Fingerzeig anhalten, die Hand wechseln oder zu mir kommen?

Monty Roberts ist ein Pferdemensch durch und durch. Gar keine Frage. Er kann mit ihnen umgehen, weiß wie sie funktionieren. Aber viele Menschen, die ihn nachahmen, überstrapazieren das, wissen auch gar nicht genau, was in dem Pferd dabei vor sich geht.

Und: Manche Pferdebesitzer lassen ihrem Pferd alle paar Wochen ein Join-up angedeihen!

Also meine Pferde joine ich nicht. Ich will ihnen den emotionalen Stress ersparen. Um das Vertrauen zu stärken und noch mehr Bindung aufzubauen, gibt es meiner Meinung nach bessere Methoden und Übungen!

Und lies dir mal diesen Zeitungsartikel durch, der räumt mit dem "Unfug" Join Up etwas auf:

Eine Studie

Rübe

Anfänger

  • »Rübe« ist weiblich

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Wohnort: Altes Land

Beruf: MFA

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2

Sonntag, 26. Mai 2013, 21:42

Ja, Monty Roberts.............

Ich war Reitanfängerin als ich in einem Pferdeforum von ihm hörte.
Mir als Reitschülerin wurde beigebracht, dass man sich immer beim Pferd durchsetzen muss, man nichts durchgehen lassen soll - notfalls die Gerte einsetzen soll, damit das Pferd "funktioniert". Damit hatte ich schon immer Schwierigkeiten. Ich sah das Pferd damals schon als eigenständiges Wesen, dachte aber immer, der/die Reitlehrer(in) muss ja Recht haben weil sie´s halt gelernt hat und es somit SO richtig ist..........

Ich begann mich mit Monty Roberts zu beschäftigen und als er in Deutschland auf Tour war, besuchte ich seine "Show" in Oldenburg. Ich war fasziniert von seinem Umgang mit dem Pferd. So ohne (körperliche) Gewalt und als das Pferd sich nach einem Join up Monty anschloss war ich gerührt, den Tränen nah......Ich verschlang die Bücher von Monty Roberts. DAS muss Horsemanship sein, wenn sogar dem Englischen Königshaus seine Methode gefällt.......

Inzwischen bin ich weiter. Habe viel mehr gelesen, gehört, gesehen und ein Pflegepferd mit dem ich täglich umgehen darf. Ich sehe die Join Up Methode nicht mehr als gewaltlos an. Klar, es ist keine Körperliche Gewalt. Aber eine Seelische Gewalt für´s Pferd !

Monty Roberts ist für mich ein Meilenstein in der Horsemanshipgeschichte. Er hat aus den Fehlern seines Vaters, der sehr brutal mit den Pferden umging um sie "gefügig" zu machen, gelernt.

Monty Roberts wollte es besser als sein Vater machen- und hat es auch geschafft.
Von der brutalen Gewalt zur seelischen Gewalt :rolleyes: :thumbdown:

3

Dienstag, 28. Mai 2013, 00:38

Hallo Rübe,

ich gebe dir Recht. Ich mochte Monty Roberts von Anfang an nicht - obwohl auch ich zwei seiner Bücher gelesen habe und seine Show im Fernsehen gesehen habe. Vor zig Jahren hatte ich sogar Andrea Kutsch zum Verladetraining in meiner Halle. Zwei Hallenbenutzer hatten mich gefragt, ob sie meine Halle für ein Verladetraining nutzen dürften. Ich sagte zu, unter der Veraussetzung, dass ich zusehen dürfe.

Klar, durfte ich. Die Trainerin damals war Andrea Kutsch - damals noch völlig unbekannt. Sie hatte sich im hinteren Hallenbereich einen Zirkel mit Weidestäben und Litze abgesteckt und mit den beiden Trainingspferden wohl ein Join up gemacht. Das habe ich allerdings nur zum Teil gesehen, weil ich zu spät kam. Dass es sich um ein Join up gehandelt hat, wusste ich damals natürlich auch nicht. Horsemanship war noch nicht so in aller Munde. Und bei mir schon mal gar nicht.

Dann stand noch der Hänger. Hinter der Rampe war mit meinen Hindernisständern und Stangen eine breite Gasse gebaut worden. Die beiden Pferde trugen Kunstoff-Kappen, und Andrea Kutsch kam sehr arrogant rüber. Vielleicht war sie aber auch einfach nur unsicher. Sie ging mit beiden Pferden zig mal zur Hälfte auf den Hänger und wieder zurück, zog, bzw. hielt so sehr gegen den Strick, dass eines der Pferde Anstalten zum Steigen machte. Jetzt verstand ich das Käppi. Beide Pferde sind am Ende auch mit ihren Besitzern in den Hänger gegangen. Freiwillig? Ich bin mir nicht sicher. Heute würde ich sagen, die hatten so die Nase von dem ganzen voll, dass der Hänger die für sie "einfacherere" Alternative war.

Andrea erzählte von der Effektivität des Join ups und ich fragte sie, ob das mit jedem Pferd funktionieren würde. Ja natürlich. Und sie bot mir sogar an, es mir mit meinem Pferd zu zeigen. Damals besaß ich einen großen Hannoveraner Wallach (Stockmaß 1,78m), der oft sehr schreckhaft war, nicht alleine bleiben konnte und sich leider nicht so sehr für die Dressur eignete, wie ich gehofft hatte. Ein sonst sehr liebes Tier. Ich brachte "Prinz William", genannt Willi in den abgesteckten Kreis.

Andrea Kutsch scheuchte den Kerl gleich vehement von sich. Willi lief im Kreis, neigte den Kopf stets nach außen. Sie stoppte ihn ein paar Mal, änderte auch die Richtung. Nach ca. zehn Minuten hatte Willi die Nase voll. Er bog einfach ab und setzte mit einem eleganten Sprung über die Litze und stellte sich schnaufend hinter mich...

Ich habe das "Training" damit sofort beendet, weil in den paar Minuten für mich keine Veränderung, sprich Verbesserung zu erkennen war. Ich habe mich hinterher auch bei ihm dafür entschuldigt...

Ein paar Monate später entdeckte ich das Parelli-System und begann mit ihm danach zu arbeiten. Das hat mich um Lichtjahre voran gebracht - bis Level 2 (nach den alten Regeln). Willi hatte an den Spielerein am Boden viel Spaß, blieb aber fürs Dressur-Reiten ungeeignet. Schade, dass ich damals noch nichts von der HSH-Methode wusste. Die hätte uns sehr viel mehr zusammen geschweißt, und ich hätte das Pferd für die Dressur vielleicht doch noch motivieren können. Ich habe das Pferd damals an den Parelli-Instruktor Ralf Heil verschenkt. Dort steht er heute noch.

Über Monty Roberts und seine Arbeitsweise gab es in den folgenden Jahren auch kritische Dokus im Fernsehen. U.a. wie er seine schwierigen Demopferde für die Show ausgewählt hat.

Monty Roberts selbst ist zweifellos ein Könner auf seinem Gebiet, aber seine Arbeitsweise ist nur schwer nachzuahmen, wenn man nicht so viel Pferdeverstand hat, das Pferd nicht so perfekt "lesen" und nicht so schnell reagieren kann wie Monty Roberts.

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