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Montag, 20. Mai 2013, 20:54

Mein Pferd geht nicht am Zügel / ist hart im Maul

Wenn ein Pferd den Kopf beim Reiten in den Himmel reckt oder nach unten abtaucht, drückt auch den Rücken weg, tritt mit der Hinterhand nicht unter seinen Schwerpunkt. Das hat meist mit schlechtem Reiten zu tun. Trotzdem müssen ein paar Dinge geklärt werden, ehe meine Tipps probiert werden:
  1. Passt der Sattel? Ein zu enger Sattel, ein Sattel, der zu weit vorne (auf der Schulter) liegt, drückt ebenso und behindert ein entspanntes Reiten.
  2. Sind die Zähne in Ordnung? Zahnhaken bereiten Schmerzen
  3. Hat das Pferd verschobene Wirbel im Hals oder im Rücken?
  4. Passen Reiter und Pferd zusammen? Ein zu schwerer Reiter tut dem Pferderücken natürlich auch nicht gut.


Hier sieht man deutlich, wie das Pferd den Unterhals herausdrückt, gleichzeitig mit den Hinterbeinen durch den Sand schlurft und Sand aufwirbelt. Der Rücken ist weggedrückt, die Zügel hängen durch. Der Sitz der Reiterin ist nicht effektiv.

Eines mal vorweg: Es ist völlig egal, ob das Pferd die Rübe oben hat oder nicht - solange die Hinterhand aktiv ist. Also: kümmere dich darum, dass das Pferd fleissig untertritt, dann regelt sich das mit dem Kopf meist von selbst - ohne, dass man viel mit der Hand machen muss.

Nicht permanent treiben. Das strengt dich viel zu sehr an und du wirst unaufmerksam. Du musst es hinkriegen, das Bein ständig "auf Tuchfühlung" halten zu können und nur dann zu drücken, wenn das Pferd zu langsam wird. Ansonsten hast du es nur begleitend am Pferd. Deine Beine rahmen das Pferd ein, begrenzen es nach links und rechts, so dass es wie eine Eisenbahn zwischen deinen Beinen hergeht.

Stelle mit den Zügeln eine "Gummibandverbindung" her. Beide Zügel stehen an, aber weich, als wären sie aus Gummi, folgen der Maulbewegung. Aber niemals hängt ein Zügel durch! Jedesmal, wenn ein Zügel durchhängt, gibt es eine Irritation am Gebiss, das Pferd könnte den Kopf wieder hoch nehmen. Außerdem wirkt ein durchhängender Zügel "schlagend", d.h. er gibt dem Pferd ungewollt einen Ruck am Gebiss, wenn er wieder ansteht.

Während du reitest und die Gummibandverbindung hältst, spielst du ein wenig mit den Fingern des inneren Zügels. Nur ganz wenig. Die Finger bewegen sich leicht aber mehr oder weniger dauernd. Achte darauf, dass sich nur die Finger bewegen, nicht die Hand oder gar der ganze Arm!

Die äußere Hand ist weich, hält aber Kontakt, der Zügel liegt am Hals an. Die äußere Hand ist immer unten.

Wenn du mit dem Reiten beginnst, fange mit hingegebenem Zügel an und reite sofort große Bögen (Zirkel, Schlangenlinien, sehr große Volten) auf beiden Händen. Wenn es dir gelingt, ohne Zügeleinwirkung. Wenn du musst, zupfst du ganz zart und kaum merklich am inneren Zügel, damit das Pferd in die neue Richtung guckt und abwendet. Setze dabei auch deinen Körper ein, d.h. sitze schwer nach rechts, wenn du rechts abwenden willst (Achtung: nicht in der Hüfte einknicken!). Verlange dabei einen fleißigen Schritt.

Achte sehr auf einen gleichmäßigen Takt im Schritt. Nicht zu eilig, nicht mal schnell, dann langsam usw.

Das Pferd wird dabei beginnen, auf den gebogenen Linien, weit unterzutreten, aktiv mit der Hinterhand zu werden, ohne dass es mit den Zügeln gestört oder gar gebremst wird.

Für dich gilt: sitzt du bequem? Versuche mal, wie ein "nasser Mehlsack" auf dem Pferd zu sitzen, wie eine "alte Oma" und atme dabei häufig aus. Wenn du dich so entspannt auf dem Pferd "räkelst", wird sich dein Pferd ebenfalls sehr entspannen. Den geraden Sitz findest du von selbst wieder, wenn dein Pferd den Rücken aufwölbt.

Wichtig auch: du musst dich NUR auf dein Pferd konzentrieren. Stell dir in Gedanken vor, wie es aussehen soll, welche Körperhaltung es für diesen Moment einnehmen soll. Das hilft sehr. Wenn deine Konzentration nachlässt (das ist oft schon nach wenigen Minuten der Fall!), dann halte an, atme durch, mache eine kleine Pause und beginne von vorn.

Mit einem Pferd, dass keine entspannte Haltung kennen gelernt hat, würde ich dieses Reiten am hingegebenen Zügel für mehrere Tage machen. So lange, bis das Pferd ohne zu eilen in einem ruhigen Schritt gelassen aber fleißig durch die Bahn schreitet. Das kann sogar noch länger als ein paar Tage dauern. Die Zeit, die du jetzt hineininvestierst, gewinnst du am Ende...

Wenn dein Pferd nach 5-10 Minuten am langen Zügel gelassen Bahnfiguren gehen kann, geht es einen Schritt weiter:

Jetzt kannst du die Zügel weiter aufnehmen, Zentimeter für Zentimeter - behutsam. Jetzt reitest du dein Pferd am Zügel immer noch im Schritt auf den gebogenen Linien. Achte sehr darauf, dass du am inneren Zügel leicht spielst, der äußere Zügel relativ "unbeteiligt" am Hals liegt. Das innere Bein kann das Spielen etwas unterstützen. Achte sehr darauf, dass das Pferd korrekt gestellt ist - vor allem beim Richtungswechsel. Stell dir vor, dass du dich mit deinem Pferd wie ein Grashalm im Wind wiegst - nach rechts und links, je nachdem in welche Richtung es geht. Diese lösende Biegearbeit ist wie ein gemeinsamer Tanz.




Ein Wallach, der erst seit kurzem unter dem Sattel ist. Er darf am losen Zügel schreiten, sich mit Hals und Kopf ausbalancieren. Das Pferd könnte weiter untertreten. Das geschieht aber erst, wenn es noch gelassener wird. Den Zügel habe ich in den Folgetagen leicht verkürzt, aber immer darauf geachtet, dass der Wallach mit seinem Kopf vor der Senkrechten bleibt.

Verstehe das "durchs Genick reiten" so: Du lockst dein Pferd nach unten. Du machst deinem Pferd das Angebot, weil es für das Pferd angenehm ist, mit rundem Hals zu gehen. Dein Pferd wird dir willig folgen, wenn deine Hand auch wirklich verlockend ist, weil sie fürs Pferd angenehm ist und nicht stört. Man sagt ja auch: Das Pferd geht in "Anlehnung". Gemeint ist die Anlehnung an die Hand. Mache es deinem Pferd also so angenehm wie möglich.

Reite alle gebogenen Linien (Schlangenlinien, Zirkel, Volten, aus der Ecke kehrt) sehr korrekt. Eine Volte soll ganz rund sein, eine Schlangenlinie nicht abgehackt usw.

Du glaubst gar nicht, wie anstrengend das für euch beide sein kann. Aber es lohnt sich! Vergiss nicht, alle paar Minuten die Zügel hinzuschmeißen und eine Pause zu machen. Lobe dein Pferd ausgiebig (Streicheln am Hals!) Es genügen wenige Meter Schritt gehen als Pause. Wenn du selbst länger verschnaufen musst: Dann tue es. Und dann beginnst du wieder von vorn. Die häufigen, sehr kurzen Pausen, entspannen euch beide auch. Das Pferd lernt: Wenn es sich anstrengt kommt rasch eine Pause, es darf entspannen. Umso konzentrierter ist es in den Minuten dazwischen.

Dann stellst du das Pferd wieder an den Zügel und versuchst eine erste Trabphase - von Anfang an nur auf gebogenen Linien. Als erste Trabeinheit genügt ein halber Zirkel! Daraus wird dann ein ganzer usw. Wechsel oft die Hand. Denk daran: Du reitest nur so lange, wie du dich konzentrieren kannst. Dann Pause, dann weiterreiten.

Du wirst sehen, dass dein Pferd bald willig mitmacht, und das "am Zügel gehen" bald kein Problem mehr ist. Außerdem wird es seine Muskulatur am Mähnenkamm kräftigen und so immer länger in der Lage sein, eine gesunde Kopf- und Rückenhaltung einzunehmen.

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