Alles neu macht der Mai

Schon seit vielen Jahren ist bei mir auf dem Hof der Mai der produktivste Monat im Jahr. Früher war es so, dass ich im Mai immer meinen Jahresurlaub genommen hatte, in den letzten Jahren vor allem deshalb, weil das Wetter mitspielt. Nicht zu kalt, nicht zu warm…

Jedes Jahre mache ich mich daran, etwas auf meinem Hof zu verschönern, neu zu bauen oder auszubessern. Dieses Jahr ist mal wieder Neubau angesagt.

Seit Jahren ärgert mich der stets abgesoffene große Paddock, den die Pferde im Winter nutzen müssen. Dort ist es manchmal so schlammig, dass ich mit der Schubkarre voll mit Heu stecken bleibe. In der nassen Jahreszeit kann ich daran nichts ändern, weil der Boden einfach zu aufgeweicht ist. Ich muss jetzt etwas tun, wenn der Boden gut befahrbar ist.

Schon seit Monaten hab ich mich im Internet nach Paddockmatten umgesehen. Die werden hingelegt und mit Sand verfüllt und sie bieten so eine trockene und stabile Lauffläche. Leider müssen die meisten Paddockmatten aufwändig in einen Untergrund aus grobem Kies und Sand verlegt werden. Das kann ich mir auf keinen Fall leisten. Und da ich ja keinen Trecker besitze, müsste ich auch für das Verteilen des Ganzen einen Bauern oder Gärtner anheuern.

Vor kurzem entdeckte ich im Internet eine Paddockplatte, die man völlig ohne Unterbau verlegen kann, sogar dann, wenn der Platz völlig vermatscht ist. Die Platte ist nur unwesentlich teurer als die herkömmlichen Modelle. Als wir vor zwei Wochen auf der Nordpferd-Messe waren, fand ich einen Aussteller, der diese Matten hier im Norden vertreibt.

Was soll ich sagen: Ich wurde mit ihm handelseinig und orderte 150 Quadratmeter. Die wurden prompt am vergangenen Freitag geliefert. Zusätzlich hatte ich das Glück, den Gärtner, der mir vor ein paar Tagen den Wall aufgetürmt hatte, für Geld und gute Worte kurzfristig auf den Paddock zu locken. Er hat mir von meinem Sand-Wälz-Hügel ein paar Riesenschaufeln an die Längsseite des Walles gekippt und glattgezogen. Die Fläche von Hand zu harken – ein Jahrhundertunternehmen!

Ich habe wieder alles auf Film festgehalten:

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Da stehen die wertvollen Platten – ein kleines Vermögen! Insgesamt fünf Türme, so hoch, dass ich nur mit ausgestreckten Armen oben ankam. Insgesamt 600 einzelne Platten, jede 6 kg schwer. Da steht also eine Last 3,6 Tonnen. Deshalb konnte sie die Spedition auch nur vor die Remise bringen, nicht etwa auf den Paddock.
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Da naht mein Gärtner mit dem Supertrecker. Erst ein paar Schaufeln Sand an den Rand…
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Und dann alles glattziehen Sieht schon ganz gut aus.
20130510134927-(1) Dann habe ich den Gärtner gefragt, ob er nicht eine Möglichkeit hätte, uns die Platten zum Verlegen nach hinten zu bringen. Wir hätten ja Tage gebraucht, die Platten mit der Schubkarre zu fahren.

Ja, er hatte eine Möglichkeit: Mit einer Gabelstapler-Gabel für den Trecker. Was für ein Segen!

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20130510140205-(1) Es hat keine halbe Stunde gedauert und alle Platten standen verlegebereit an Ort und Stelle.
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Ich konnte am Samstag nicht abwarten und habe schon Mal angefangen, die ersten beiden Reihen zu legen. Geht kinderleicht – eine Freude für jeden, der früher einmal gerne mit Legos gespielt hat. Ich bin dann aber auch nach einem heißen Bad schon um halb zehn todmüde ins Bett gefallen! Man legt eine Reihe möglichst gerade hin, dann eine zweite Reihe davor und schiebt sie dann Stück für Stück unter die erste Reihe. Die Platten sind so gearbeitet, dass sie ineinandergreifen. Die 2. Reihe habe ich auf Lücke gelegt, weil die Platten dann noch besser halten.

Nach den Vorbereitungen am Samstag hieß es heute für meine Reitschüler Julia und Sabrina und Asterix-Mama Lena: Wir machen den Paddock schön! Nix reiten, sondern körperliche Anstrengung pur.

Was bei den ersten beiden Reihen noch ganz einfach ging, nämlich die Reihen zusammenzubringen, wurde von Reihe zu Reihe schwieriger und war nur mit kräftigen Schlägen eines Fäustlings (großer Hamer) zu bewerkstelligen. Schuld daran war der leicht wellige Untergrund, den man mit bloßem Auge kaum wahrnehmen kann.

Es gab Arbeitsaufteilung: Während Julia und Lena schnell den Stall sauber machten, haben Sabrina und ich uns auf die Platten gestürzt. 

Reihe für Reihe haben wir uns vorwärts geschlagen (mit dem Hammer).

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20130511125312-(2) Wenig später kamen Julia und Lena dazu. Sie sorgten dafür, dass wir genug Material zum Verlegen hatten.

Auf dem Bild unten sieht man noch gut die Menge der Platten.

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Reihe für Reihe robbten wir uns voran. Einer legte die Platten hin, der andere hämmerte sie zusammen. Nach jeweils einer Reihe wechselte ich mich mit Sabrina ab, weil das Hämmern ganz schön in die Unterarme geht.

Während wir alle werkelten, standen die Pferde auf der Dreieckswiese im Gras. Aber das lockte nicht so sehr wie das eifrige Treiben auf “ihrem” Paddock:

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Donovan und Rasga waren die ersten, die einmal “nach dem Rechten” sehen mussten. Und Rasga nahm erst einmal ein ordentliches Sandbad.
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Sie konnte sich dabei sogar… … den kleinen Hügel hinaufrollen
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“Was ist hier los???” scheint Cera zu fragen. Na ja, und kurze Zeit später waren alle da.
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Alles wurde genau untersucht und auf Festigkeit geprüft. Kann man darüber laufen? Und dann zirkelten alle durch die Platten-häufchen im Slalom, gingen schon Mal über die neu verlegten Platten und holten sich die eine oder andere Streicheleinheit ab. Die beiden einzigen (Schisser!) waren Dango und Asterix. die zogen es doch vor, alles aus vornehmer Distanz zu beobachten. 20130511134108-(1)
20130511124956-(2) Nachdem uns die Pferde das 3. Mal von der Arbeit abhalten wollten, haben Julia und Lena die Bande in den Stall gebracht. Es war ja auch schon drei – Dös-Zeit für alle Vierbeiner.
Ein kurzer Regenguss zwang auch uns zur Pause, aber die hatten wir uns auch mehr als verdient. Es gab leckere Sahnetorte, die Julia spendiert hatte. Dazu ein heißes Tässchen Tee. Die Hunde verschlangen ihr Mittagessen.
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Nach der Teepause durften auch die Hunde mit auf den Platz. Was haben sie das genossen! Zwischen kürzer werdenden Plattentürmen haben sie Versteck gespielt, miteinander gerauft und sind wie die Irren über den Paddock getobt.

Zeus präsentierte immer mal wieder stolz seine “gefangenen” Papp-Reste von der Verpackung und lieferte sie brav ab.

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Die Fläche nimmt Gestalt an – aber immer noch stehen vieeele Einzelplatten herum und warten aufs Verlegen. Hier arbeitet Sabrina mit dem Steinstampfer. Mit ihm klopft man Gehweg-Platten fest. Wir haben versucht, kleine Hubbel wegzuklopfen.

Irgendwann waren die großen Türme in Häufchen aufgeteilt bereitgelegt und alle Palletten weggeräumt. Das Auslegen und Anklopfen der Reihen geht nur zu zweit. Julia war “über”. Sie hat sich dann in den Stall getrollt und hat alle Pferde geputzt, Abendheu verteilt und noch einmal alle Boxen abgeäppelt. Gegen 19.00 Uhr – nach einem kleinen Abschiedstee – haben sich alle todmüde nach Hause getrollt. Ich danke euch für eure tatkräftige Unterstützung. Alleine wäre ich nicht einmal halb so weit gekommen!

Insgesamt haben wir 13 Reihen verlegt: Einen Streifen von rund 20 Meter am Wall entlang und gut 6 Meter breit. Und es waren immer noch ganz schön viele Platten über. Damit habe ich begonnen, einen Weg entlang des Grabens zur großen Wiese hin auszulegen. Ich hatte gehofft, auch die letzte Platte noch verarbeiten zu können, aber es wurde dann zu schnell dunkel. Die Fläche war ja nicht vom Trecker glattgezogen worden. Also muss ich harken. Leider konnte ich in der Dämmerung nicht mehr genug sehen. So sind es nur 10 Meter geworden (vier Platten breit), weitere fünf Meter fehlen noch. Na, die werde ich dann morgen nachholen.

Während ich hier sitze und das aufschreibe, halte ich meine Beine betont locker und entspannt unter dem Schreibtisch. Ich hatte schon zweimal einen Krampf auf der Rückseite des Oberschenkels. Das kommt sicher vom dauernd gebückt stehen und hämmern. Ich glaube, die Muskulatur ist an diesen Stellen zu wenig gedehnt. Na, und mein rechter Arm wird morgen auch ganz schön Muskelkater haben – und meine Finger und meine Schultern…

Ich hoffe, die anderen hat es weniger schlimm erwischt, denn die müssen morgen ja wieder arbeiten gehen! Ich habe mir jedenfalls heute Abend noch den Luxus einer Online-Essensbestellung gegönnt: Nudeln mit Soße, Chickenwings und einen Salat. Ich habe natürlich nicht einmal die Hälfte geschafft. Da war die Gier wieder mal größer…

In jedem Fall werde ich heute gut schlafen. Meine beiden fusseligen Racker und beide Katzen liegen hier um mich rum und grunzen alle Vier satt und zufrieden. Morgen liefere ich Bilder vom fertigen Paddock nach.

Denn jetzt heißt es noch, alle Platten mit Sand zu verfüllen. Vielleicht gelingt es mir ja, für morgen einen Sandlaster zu bestellen…