Anton – unser erster Ritt im Freien

Unglaublich, wie sich Anton weiter entwickelt hat. Nicht nur, dass er größer und kräftiger geworden ist, er hat auch an Selbstvertrauen und Selbstbestimmung gewonnen. Längst steht er gelegentlich auch mal alleine und etwas abseits von den anderen auf der Weide. Er braucht Donovan und Rasga nicht mehr als “Bodyguards”. Er weiß inzwischen, was er will und was er nicht will. Das macht es beim Reiten nicht immer einfach…

Vor zwei Tagen war ich mit ihm in der Halle. Alles prima – bis die Sonne heraus kam und Lichtpunkte auf die Hallenbande warf. Die waren für ihn so schrecklich und fressen bestimmt alle braunen Pferde mit Blesse! Na gut, dachte ich. Wir stellen uns einfach daneben und warten. Gesagt, getan.

Nach knapp 30 Sekunden neben dem Fleck stehen hörte Anton ein für ihn fieses Geräusch von außen. Jemand machte sich offenbar in der Werkstatt neben der Reithalle zu schaffen. Aus  dem Nichts sprang Anton in die Höhe. Ich möchte behaupten, zwei Meter hoch. Aber das kann ich natürlich nur annehmen, ich saß ja drauf. Ich legte noch einmal 50 cm drauf und “schwebte” über ihm. Er muss seinen Rücken ganz rund gemacht haben, keines der Beine kann noch den Boden berührt haben.

Mich hat es fürchterlich erst nach hinten, dann nach vorn geschleudert. Oh je, dachte ich, wenn er jetzt wieder runter kommt, stürmt er los. Gott sei Dank landete ich wieder direkt im Sattel – und Anton stürmte nicht los. Das ist schon ein richtiger Lauser…

Gestern war nun der Tag fürs draußen reiten auf dem Reitplatz. Das wollte ich ja schon seit Tagen. Da aber der Platz noch immer nicht eingezäunt ist, steht ihm rein theoretisch der Wall zum raufkrabbeln offen… Egal, gestern sollte der Tag sein! Das Wetter war perfekt. Zum ersten Mal bin ich auch ohne ihn abzulongieren aufgestiegen. Anton hat seine Sache souverän gemeistert. Fleißiger Schritt ums Viereck herum – mit ein wenig Angiften von Asterix, der uns neugierig beobachtete. Auch der Trab ging ganz anständig. Linke Hand, rechte Hand, einige Meter aussitzen mit mehrfachem Anhalten und wieder Antraben.

Ich war zufrieden – auch wenn die Sache manchmal noch etwas “hakelig” ist. Wenn der Trab zu verhaltend wird, muss ich ihn anfeuern, fleißiger zu gehen. Sonst besteht die Gefahr, dass er buckelt. Hat er gestern aber nicht gemacht.

Sogar ein paar Schritte im Schulterherein gingen, ohne dass Anton mir die Zügel aus der Hand gezogen hat. Seine Anlehnung wird konstanter. Und im Trab ist sie sogar besser als im Schritt. Bin schon ganz gespannt, was der heutige Tag bringen wird.