Back to the Roots – Zurück zum Anfang

Gute Neuigkeit für alle HSH-Fans: Fritz Stahlecker hat sein persönliches Tagebuch, das er über die Ausbildung seines knapp dreijährigen Hengstes Dürer verfasste, veröffentlicht! Was für ein Einblick in seine Arbeit! Ich kann es allen empfehlen, die sich ernsthaft mit HSH beschäftigen.
Ich habe bisher nur die ersten 50 Seiten gelesen – zwei Mal –, denn die beschreiben klipp und klar die Anfänge. Und ich habe ganz klar meine Fehler entdeckt, die ich in der Ausbildung mit Donovan gemacht habe.

 

 

Es liegt in der Natur des Menschen, ehrgeizig zu sein. Dabei übersieht man gern Kleinigkeiten und geht rascher voran, als es in der Ausbildung gut wäre. Mir ist es jedenfalls so ergangen. Bereits in der zweiten Ausbildungswoche in HSH-Ausrüstung probierte ich das Hinterhergehen. Und das funktionierte einigermaßen. Aber eben nur einigermaßen. Warum? Weil ich Schritte übersprungen habe, bzw. sie nicht genug gefestigt habe.
Ich habe zig Mal die HSH-Ausbildungs-DVDs angesehen. Und die erweckten in mir den Eindruck, dass, wenn das Pferd an der Hand gut steht und anhält, man recht zügig mit dem Hinterhergehen beginnt.
In dem neuen Tagebuch liest man nun, dass Fritz Stahlecker ACHT Wochen damit verbringt, neben seinem Hengst herzugehen – auf beiden Händen. In dieser Zeit etabliert er nicht nur das Geradestehen, er übt die große Schaukel (ca. 10 Meter vor und zurück) und die große Schrittvolte, während er in der Mitte steht.
Nach wenigen Wochen hat er sich mit seinem Hengst auf “seine” Sprache geeinigt. Dürer weiß, was Fritz von ihm will, er muss es mit seinem Körper nur noch andeuten, Dürer macht mit.
Zweite – für mich – wichtige Erkenntnis: Die Ausbildungseinheiten sind immer gleich aufgebaut, Übungen finden stets an derselben Stelle in der Halle statt, aber auch immer in derselben Reihenfolge. Das Pferd kann sich dadurch sicher fühlen, weil es weiß, was kommt. Ist eigentlich total logisch, warum habe ich mich nicht daran gehalten?
Neben Vertrauen bringt diese Vorgehensweise auch eine Menge Respekt zwischen Mensch und Tier.
Diese Zeit, die Stahlecker zu Beginn “verplempert” hat, holt er ab dem dritten Monat doppelt auf. Denn wenn er mit dem Hinterhergehen beginnt, gibt es gar keinen Zweifel mehr, wer das Sagen hat. Stahleckers Wort gilt!
Nun sind diese acht Wochen sicher kein Maßstab, den man für alle Pferde anwenden kann. Vielleicht braucht das eine oder andere sogar länger.
Wichtig ist: Stahlecker geht erst dann einen Schritt in der Ausbildung weiter, wenn die vorangegangenen zu 100 Prozent “sitzen”.
Das ist mir passiert: Ich habe Donovan das korrekte Halten beigebracht, er ging einigermaßen gut rückwärts, ich konnte ihn so leidlich auf dem Zirkel um mich herumlaufen lassen. Aber die Kommandos wurden von Donovan nicht prompt ausgeführt, ich musste ihn manchmal mehrfach dazu auffordern. Ziemlich rasch bin ich hinter ihm hergegangen, habe auch bald ein paar Tritte seitwärts verlangt. Das klappte ebenfalls leidlich. Aber es war nicht gut.
So habe ich Donovan auch beigebracht, “halbe Sachen” sind o.k., werden belohnt. Und weil Donovan nicht immer in HSH-Laune war, fing er an, sich zu wehren, von der Bande abzudriften, keinen fleißigen Schritt mehr zu gehen, nicht immer anzuhalten, wenn ich es wollte. Gebetsmühlenartig habe ich ihn immer wieder dazu aufgefordert – und Donovan wahrscheinlich in den Schlaf geredet.
Aber es ist ja immer gut, wenn man Fehler erkennt, dann kann man was verändern. Das tue ich seit drei Tagen, und schon jetzt stellt sich ein erster Erfolg ein!
Wie in den vorangegangenen Posts erwähnt, hatte ich ja zwischendurch das Longentraining ins Programm genommen. Jetzt steckt Donovan wieder in voller HSH-Montur, und ich gehe neben ihm her.
Unser einziges Programm: Er muss anhalten und gerade stehen, eine große Strecke rückwärts gehen – OHNE, dass ich ihn ziehen oder buffen muss, und ich lasse ihn auf einer großen Volte um mich herumgehen und –traben. Das Stimmkommando hält ihn an. Diese Übungen mache ich auf beiden Händen – immer in der gleichen Reihenfolge und an denselben Stellen in der Halle. Nun, nach nur drei Tagen kann ich schon erkennen, wie Donovan anfängt, besser mitzumachen. Er hat seine Wehrigkeit aufgegeben. Er geht zügig und freiwillig rückwärts, wenn ich an seiner Kruppe gehe (ich gehe dann vorwärts). Und auch seine “schwierige” Hand, die rechte, klappt immer flüssiger.
Wenn ich mein Programm durchgezogen habe, sind ca. 15 Minuten vergangen. Das klingt kurz, war dann aber sehr konzentriert. Wenn genug Zeit ist, befreie ich ihn dann von Sattel und Kappzaum, und Donovan darf sich noch mal wälzen und mit mir rumspielen, bzw. ich mit ihm. Zaghaft entsteht eine ernste Partnerschaft!
P.S. Das Dürer-Tagebuch könnt ihr bei mir bestellen (ich habe einige wenige Exemplare da) oder natürlich auf der Seite von Fritz Stahlecker.
Ich hoffe, dieser Beitrag macht euch Mut, auch mal ein paar Schritte zurückzugehen, um es besser zu machen.