Besuch bei Christine in Klein Sarau

Gestern habe ich mich spontan entschlossen, heute Freundin Christine zu besuchen. Wir tauschen uns regelmäßig über unsere Arbeit in HSH aus. Sie hat ebenso wie ich ein rohes Pferd: Semilia. Mit ihr ist sie allerdings schon zwei, drei Monate weiter als ich mit Donovan. Dann ist Semilia an den Umgang mit Menschen gewöhnt und hatte letztes Jahr ein Fohlen. Und sie ist ein Jahr älter.

Aber Christine hat nicht nur Pferde. Ihre Familie bewirtschaftet einen recht großen Bio-Hof. Dazu gehören zwei Angus-Rinderherden und eine Herde Fleckvieh. Die Tiere laufen frei (jede Erwachsenenherde hat ihren eigenen Bullen) und kalben auch im Freien. Bis zur nächsten Geburt dürfen die Kälber bei ihren Müttern bleiben, wie in der freien Natur. Christine hat mir am Telefon schon viel von ihren Rindern erzählt, aber ich hatte sie noch nie live in Augenschein genommen. Dafür reichte die Zeit immer nicht. Heute sollte der Tag sein!

Die Weiden liegen ein paar Kilometer weg vom Hof. Wir sind mit dem Auto hingefahren, „bewaffnet“ mit zwei Eimern geschnittenen Augustäpfeln und einem elektrischen „Bullentreiber“, falls einer der Bullen „komisch“ wird. Die Tiere sind wirklich herzallerliebst und kommen, wenn Christine ruft, gemächlich angetrottet.

Unser erster Stopp galt einer gemischten Herde Angus und Fleckvieh. Christine war mehr als überrascht, als sie ein neues Kalb entdeckte – von einer älteren Milchkuh, die eigentlich noch gar nicht hätte kalben sollen… Ich habe gefilmt:


Ein Kuhkalb, erst wenige Stunden alt, offenbar in der Nacht zuvor geboren. Es konnte schon behende aufstehen und hat uns neugierig beäugt. Weil die Tiere sehr frei leben, sind sie auch nicht handzahm. Man kann sie zwar anlocken, aber nicht anfassen. Allenfalls schnuppern sie mal an der Hand.

Ich hätte das Kälbchen ja zu gern mal geknuddelt. Das ging natürlich nicht.

Und als ob Kalb und Mutterkuh meine Gedanken erraten hätten machten sie auf einmal auf dem Absatz kehrt und zockelten in den hintersten Winkel der Weide. Das Kälbchen ganz dicht bei der Mama, quasi in ihrem Windschatten.

Da sieht man doch ganz deutlich, dass das doch mal eine Milchkuh mit guter Leistung war! Man könnte meinen, sie hat Drillinge geboren – jedenfalls würden so viele davon satt.

Auch auf den anderen Weiden gab es viele Kälbchen – eins schöner als das andere, alles Angus-Kälber, in schwarz und braun. Ein paar habe ich für euch abgelichtet…

Eine stattliche junge Dame in braun

Ein Baby in schwarz

Hier noch mal was Kleines in braun

Sind sie nicht ein tolles Paar? Die stolze Mama mit ihrem Nachwuchs.

Hier muss erst noch was draus werden! Bei dem runden Bauch könnte man meinen, es werden wenigstens Zwillinge. Mehrlingsgeburten sind bei Kühen eher selten, kommen aber durchaus vor, und das ist immer ein Risiko für Mutter und Kind. Diese Kuh hatte schon im vergangenen Jahr Zwillinge (die aber beide überlebt haben)…

Christine und ihre Familie kontrollieren die Tiere zweimal am Tag, damit auch nicht eins verloren geht. Es kann nämlich schon mal vorkommen, dass die kleinen Kälbchen stiften gehen oder im Graben landen, aus dem sie sich selbst nicht befreien können.

Themenwechsel: Christine und Semilia. Christine hatte mir am Tag zuvor ganz stolz am Telefon berichtet, dass sie sich das erste Mal auf ihr Pferd gesetzt hat! Sie war ganz allein auf dem Platz, das Pferd super gelassen, da hat sie sich getraut. Sie sind noch keinen Schritt gegangen – einfach nur draufsitzen und von oben links und rechts ein Leckerli gefüttert.

Ich hätte Christine heute gerne geholfen, sie vielleicht sogar eine Runde im Schritt auf dem Pferd geführt. Aber das ergab sich heute so gar nicht. Es war unendlich schwül auf dem Platz und alle Anwesenden wurden tüchtig von Bremsen gequält. So war Semilia auch entsprechend unwirsch und zeigte sich nicht von ihrer besten Seite. Ich habe trotzdem viel gefilmt, weil man aus allen Videoaufnahmen seine Schlüsse für das weitere Vorgehen ziehen kann.


Der Versuch mit dem Spanischen Trab auf dem Zirkel endete in wildem Bocken. Christine hat schließlich losgelassen, um nicht heraufzubeschwören, dass sich Semilia in der Kurve hinlegt. Man sieht ganz deutlich, wie Semilia mit allen vier Füßen in der Luft hängt.

Die Große hatte ganz schön Temperament, wie ihr seht. Sie flitzte die lange Seite hinunter. Dann brüllte Christine ein lautes „Haaaaaalt“ dem Pferd hinterher – und nach der Ecke stand Semilia wie angewurzelt und wartete, bis Christine den Wirbelwind wieder eingesammelt hatte.

Intervallschritt, Seitengänge und vor allem die kurzen Tritte gelangen wunderbar – und ich habe eine neue Lektion gelernt: Weil sich Semilia in der Schrittpirouette schwer tut, lässt sie die Stute erst in einer großen Volte gehen, um dann auf für einige Tritte ins Seitwärts zu gehen und dann wieder zurück in die Volte.

So verliert sie nie an Vorwärts und das Pferd quält sich nicht so mit dem Übertreten. Die Übung habe ich mir gemerkt und werde sie gleich morgen an Donovan ausprobieren!

Aufgesessen ist Christine am Ende dann doch nicht. Eine kluge Entscheidung! Es waren einfach zu viele Bremsen unterwegs und Semilia nicht gelassen genug.

Na, ich werde noch mal wiederkommen müssen, um die ersten Reitkünste auf Video zu bannen!