Das Abenteuer, ein Paket zu verschicken…

Seit gut 14 Tagen schwitze ich hier bei täglich 28-30 Grad. Die Stallarbeit ist echt anstrengend, und die Pferde sind über die Hitze, die Heerscharen von Insekten mit sich bringt, auch nicht begeistert.

Meiner lieben Freundin in Ratzeburg geht es ebenso (natürlich nur das mit der Hitze, eher nicht mit den Insekten!). Elsa ist schon Mitte 80 und verfolgt die Geschehnisse auf meinem Hof, seit ich ihn übernommen habe – vor knapp 30 Jahren. Sie freut sich über alle Fortschritte der Reitschüler, darüber, dass die Pferde (wieder) gesund sind und über die vielen Aktivitäten, die hier so statt finden.

Früher hat sie mich häufiger mal besucht, anfangs noch mit dem eigenen Auto, später mit dem Taxi. Aber das fällt ihr zunehmend schwerer. Und leider ist hier das Wetter sehr oft unpassend. Denn wenn Elsa hier ist, möchte sie natürlich auch beim Reiten zusehen. Garstiges Wetter ist da ebenso unpassend, wie diese Affenhitze.

So dachte ich mir, ich mache ihr eine kleine Freude und bringe ein Paket auf den Weg. Malpapier, ein paar Süßigkeiten, Kaffee in Einzelportionen, etwas Obst, Käse, Fleischsalat, was immer mir so einfiel, habe ich in einem ordentlichen Paket verstaut, mit Papierrollen aufgefüllt und am Freitag zur Post gebracht, damit es Elsa zum Wochenende bekommt.

Ich erreichte unsere kleine Poststelle im Dorf zeitgleich mit dem Postauto, das alle aufgegebene Post einmal am Tag zum “Startpaketzentrum” bringt. Der Mensch, der die Postfiliale betreut, telefonierte. Privat. So, wie er das meistens tut, wenn ICH den Laden (ein Schreibwarengeschäft) betrete. Trotzdem hat er mich nebenbei abgefertigt. 11 Kilo schwer für 11,99 Euro. Ganz schön teuer! Ich musste das Paket selbst zum Wagen bringen, denn der Fahrer war schon auf dem Sprung. Aber ich habe es gerade eben noch so geschafft.

Wer es noch nicht weiß: Der Abholer war ein Schwarzafrikaner, der nur gebrochen Deutsch sprach, und sein Lieferwagen glich mehr einem Schrotthaufen als einem Lieferwagen. Nirgendwo ein Postzeichen. Er hätte mit seiner Ladung irgendwohin fahren können. Niemand hätte dahinter ein Postauto vermutet. Offenbar arbeitet die Deutsche Post mit kleinen Privatunternehmen und vergibt auf dem Lande diese Hol- und Bringdienste…

Freitag Abend probierte ich die Paketverfolgung der DHL. “Die Sendung wurde vom Absender in der Filiale abgeliefert. Nächster Schritt: Die Sendung wird zum Startpaketzentrum gebracht”, hieß es dort lapidar. Und dieser Eintrag änderte sich auch am anderen Morgen nicht. Eigentlich braucht eine Postsendung von Tangstedt nach Ratzeburg nicht länger als einen Tag. Nun gut, dieses Mal offenbar nicht.

Erst am Samstag Nachmittag der Eintrag: “Die Sendung wurde im Startpaketzentrum bearbeitet und wird zum Zielpaketzentrum transportiert. Voraussichtliche Auslieferung: Montag zwischen 9 und 11 Uhr.” Schade! Nun war es kein Überraschungspaket mehr, denn ich musste Elsa darüber informieren, dass sie Paket bekommen würde, damit sie auch zu Hause ist und es entgegen nehmen kann…

Groß war die Überraschung, als am Montagmorgen der Paketbote bei meinem Vater klingelte und ein Riesenpaket für mich ablieferte. Und was hatte ich bekommen? Ein Überraschungspaket, das eigentlich für Ratzeburg bestimmt war! Da frage ich mich natürlich, wie um alles in der Welt die riesengroße Anschrift an Elsa nicht beachtet, sondern meine winzige Absenderadresse zum Zielort wurde.

Ich war ziemlich ungehalten, bin mit dem Teil wieder zurück zu unserer Postfiliale. Der Mensch hinter dem Tresen – hatte ich schon erwähnt, dass er fast immer telefoniert??? – legte auf und schüttelte über die Post den Kopf. Er wusste auch nicht, wie das passieren konnte, wollte das Paket ein 2. Mal auf die Reise schicken. Ich musste auch kein 2. Mal bezahlen.

Da für die Post das Paket nun abgewickelt war, konnte ich auch den detaillierten Verlauf der Sendung einsehen. Aber lest selbst:

Paket

Die Sendung wurde erst nach Hannover geschickt (was soll das Paket in Hannover???), dann nach Neumünster – und schwupps hatte ich es wieder. Beim zweiten Versuch ging das Teil nach Hamburg. Als ich diese Meldung las, war ich ganz sicher, dass ich es ein zweites Mal zurückbekommen würde. Aber das war nicht so. Am Dienstag endlich konnte Elsa ihre “Überraschung” auspacken, aber auch nur, weil ich sie daran erinnerte. Die Postbotin hatte ihr das Paket nämlich heimlich einfach vor die Tür gestellt. Ende gut, alles gut.