Das Ärgernis des Monats

Fachzeitschriften wie die Reiterrevue, die Cavallo oder den St. Georg lese ich nur gelegentlich, sie sind mir einfach zu teuer und bieten oft keine objektive Berichterstattung.

Den Vogel hat in der Aprilausgabe die St. Georg abgeschossen. “21 alternative Reitausbilder” wurden dort abqualifiziert und als “Gurus” betitelt. Darunter so namhafte – und unzweifelhaft erfolgreiche Ausbilder wie Richard Hinrichs, Philippe Karl, Fritz Stahlecker, Pat Parelli, Monty Roberts.

Die Recherchen der beiden Redakteurinnen, die diesen Artikel verfasst haben, waren mehr als dürftig. Ich weiß von Fritz Stahlecker persönlich, dass sie einen läppischen Fragebogen mit fünf Fragen verschickt haben, auf den die Ausbilder antworten sollten – ohne die Möglichkeit, die Fragen abzuändern oder sich intensiver mit ihrer Arbeit vorzustellen. Fritz Stahlecker hat den Damen angeboten, einmal vorbeizukommen, sich seine Arbeit anzusehen, mit ihm über seine Philosophie zu diskutieren. Das haben die zwei aber abgelehnt.

Die Fragestellung des Artikels war: Wie kann es sein, dass sich so viele Reitgurus und selbsternannte Pferdefachleute auf dem deutschen Markt etablieren konnten, wo doch die “Skala der Ausbildung” und die Kenntnis der Biomechanik genug Rüstzeug liefert, sein Pferd pferdegerecht, schonend und gesundheitsfördernd auszubilden.

Die Antwort fällt leicht: Ganz offenbar fühlen sich viele Reiter und Pferdebesitzer in der FN-Szene nicht mehr gut aufgehoben. Viele FN-Reitlehrer unterrichten noch so, wie vor dreißig Jahren: Hacken runter, Brust raus, Pferd in die Hand treiben – “der Bock muss laufen”. Und wenn etwas nicht funktioniert, wird mit Hilfszügeln, Sporen oder Gerte nachgeholfen.

Besonders die engagierten Freizeitreiter interessieren sich für alternative Ausbildungsmethoden, wo das Pferd und die Kommunikation mit ihm im Vordergrund steht. Die Erfolge stellen sich dann von selbst ein.

Ich kann das beurteilen, denn auch ich war vor Jahren ein eingefleischter FN-Reiter. Meine Einstellung damals: Das Pferd steht 23 Stunden rum, und wenn ich dann für eine Stunde zum Reiten komme, soll mir das Pferd gefälligst zu Diensten sein. Wenn ich vorhatte, Fliegende Wechsel zu üben, dann habe ich das mit Macht durchgesetzt, auch wenn das Pferd an diesem Tag gar nicht dazu aufgelegt war.

Seit ich meine Einstellung dazu geändert habe, Horsemanship, HSH und ein entspanntes Reiten kennengelernt habe, mache ich mit meinem Pferd Quantensprünge – auch reiterlich, obwohl ich schon seit drei Jahren keinen Unterricht mehr hatte.

Wie die beiden Autorinnen einen Bent Branderup mit einem Ferdinand Hempfling, Fred Ray, Richard Hinrichs, Fritz Stahlecker und Pat Parelli in einen Topf werfen können, bleibt mir ein Rätsel. Natürlich kann man sich über die total überteuerten Ausbildungsgebühren einer Andrea Kutsch aufregen – aber niemand ist doch gezwungen, daran teilzunehmen! Dass die Autoren behaupten, das Parelli-System sei reine Abzocke und es sei unmöglich, die Methode aus den Videos und Büchern zu lernen, zeugt von ihrer Ahnungslosigkeit. Tausende Pferdebesitzer haben über Parelli endlich eine gewaltfreie Kommunikation zu ihrem Pferd aufgebaut, reiten selbstsicher und unfallfrei am Knotenhalfter ins Gelände.

Der Clou des ganzen Heftes: Wenige Seiten zuvor prangert der St. Georg die Manie an, Reithalfter viel zu eng zu schnallen und es den Pferden damit unmöglich zu machen zu schlucken. Ich kenne keinen der sogenannten Gurus, bei denen so etwas passieren würde – das ist doch nur bei den FN-Leuten so.

Und ich will jetzt noch nicht Mal die sogenannte Rollkur ins Spiel bringen, die es bei keinem alternativen Ausbilder gegeben hätte.

Schade, dass in solchen Blättern so viel Meinungsmache betrieben wird. Ich bin jedenfalls froh, das Heft nicht abonniert zu haben.