Donovan Reiten – 4. Tag

Gleich heute früh bin ich voller Elan zu meinem “kleinen Schwarzen” gegangen, um ihn wie in der laufenden Woche, zu bespaßen. Wir hatten schon am Vormittag fast zehn Grad plus – für die Pferde ein richtiges K.O-Wetter. Sie standen alle mit hängenden Ohren und dösten vor sich hin. Gute Voraussetzungen für mich und Donovan!

Mit Sattel, Trense, Knotenhalfter und langem Führstrick ging’s wieder in die Halle. Aber: Donovan war heute unglaublich aufgekratzt. Dummerweise hatte ich in der Stallgasse noch das Radio an, mit der Sendung “Schöne Stimmen”. Ein Tenor gab sich redlich Mühe eine Arie aus dem “Vogelhändler” zu trällern, wurde dazu u.a. von Glöckchen und Rasseln begleitet. Das hat Donovan auch noch am anderen Ende der Halle gehört. Er konnte seinen Kopf gar nicht abwenden, so hat er versucht, das Geräusch einzuordnen.

Das Longieren und Wechseln der Hand klappte einigermaßen. Er wird darin deutlich flinker. Aber wenn es ans Angaloppieren geht, lässt er immer noch “die Sau raus”. Heute hatte ich zur Verstärkung die lange Longierpeitsche mitgenommen. Ich wollte nicht so viel laufen müssen, wie beim letzten Mal, um Donovan im Galopp zu halten. Zwei ganze Zirkelrunden will ich haben.

Die kriegte ich auch – aber mit Herumgebocke und Gequieke. Donovan musste 25 Minuten am Führseil laufen, weil er so aufmüpfig war. Eigentlich wollte ich ihn ja auch wieder reiten…

Das Schöne daran ist: Ich kann täglich neu entscheiden, ob ich mich draufsetzen will, muss mir da keinen Stress machen! Na ja, wenigstens Aufsteigen – das geht ja immer! Und so war es denn auch. Ich habe fast fünf Minuten im Stand auf ihm gesessen, behutsam versucht, ein wenig Zügeleinwirkung mit dem Gebiss nach links und rechts einzusetzen, um seinen Kopf zu drehen. Das klappte fast gar nicht.

Weil er aber – sobald ich draufsetze – völlig gelassen ist, habe ich doch noch probiert loszureiten. Und heute klappte es auf Anhieb. Erst nur ganz zögerliche Schritte. Ich konnte einen Richtungswechsel seinerseits verhindern und auf dem Zirkel bleiben. Dann ging er einen gefühlsmäßig guten Schritt. Ich ritt bis zur Mitte der Halle, bin dann abgestiegen.

Reitzeit insgesamt: Vielleicht zehn Minuten. Donovan scheint ein wenig zu begreifen, was er soll, nämlich gehen, wenn meine Waden an seinen Bauch “tupfen”. Ich bin gespannt, wie es weiter geht…