Donovan reiten – 6. Tag

Ich war in den letzten Tagen etwas angeschlagen – und das könnt ihr wörtlich nehmen! Ich war mit Donovan in der Halle, mit der üblichen Ausrüstung: Sattel, Trense, Knotenhalfter, Führseil.

Bei der Bodenarbeit war er heute recht wild, weil draußen ein kräftiger Wind ging, der wieder einmal allerhand Geräusche von raschelnden Büschen, Windspielen und Krähen auf dem Dach in die Halle hineinwehte.

Nach unserer Aufwärmphase wollte ich wie gewohnt aufsteigen, habe mich  dann aber um-entschieden und wollte zunächst ein wenig Handarbeit am Trensengebiss machen. Ich ging also auf Höhe des Sattels, griff mit meinem rechten Arm über den Widerrist des Pferdes in den rechten Zügel. Den linken hielt ich links. Also quasi die Zügelhaltung, die ich beim Reiten einnehmen muss. Mit zarten Zügelhilfen ließ ich Donovan seinen Kopf nach links und rechts drehen, dann lenkte ich ihn in einer sehr großen Acht neben mir her. Donovan muss Zügelhilfen lernen, ehe ich sie beim Reiten anwenden kann.

Weil er beim leisesten Zügelzug sofort stehen blieb, trieb ich ihn mit meiner Dressurgerte vorwärts: ich touchierte ihn hinter mir am Po. Das klappte prima. Nur: Dort will ich beim Reiten zunächst ja nichts machen, er muss meine Schenkelhilfe als vorwärts treibend akzeptieren – folglich muss auch die Gerte dort angelegt sein, wo beim Reiten der Schenkel liegt. Eine guter Gedanke – in der Theorie. In dem Moment, wo die Gerte den Bauch berührte – fast zeitgleich – schlug Donovan mit seinem inneren Hinterbein danach. Dummerweise war zwischen seinem Huf und der Gerte mein Oberschenkel!

Ich musste sofort loslassen und bin erst einmal “Aua!” rufend durch die Halle gehüpft! Donovan ist nicht etwa losgepoltert. Er stand da und glotzte mir ungläubig hinterher. Das hatte weh getan! Und auf Donovan hatte ich eine Sauwut. Am liebsten hätte ich ihn vertrimmt oder doch wenigsten eine Stunde ohne Pause durch die Halle gescheucht, bis seine Zunge bis zum Boden hängt!

Das habe ich natürlich alles nicht gemacht. Es hätte ja nichts gebracht, außer vielleicht meinen Frust etwas abgebaut. Also habe ich mich beeilt, ihn schnell nach draußen zu bringen – und meinerseit in die Wohnung zu rennen, um das Bein ausgiebig zu kühlen.

Der blaue Fleck (er ist inzwischen gelblich-grün) war anfangs nur rot, das Bein schwoll etwas an, ich konnte nur noch humpeln. Aber: Es sind ja nur die “Weichteile”, das heilt rasch…

Und meine Wut auf Donovan war am Abend schon wieder verflogen. Er hat einfach reflexartig gehandelt. Er hat nicht nach mir getreten, sondern nach der Gerte. Das muss ich künftig besser einkalkulieren.