Ein schlechtes Gewissen

Während ich eben so belanglos über meine dusseligen Erdbeeren geschrieben habe, hatte ich doch ein schlechtes Gewissen: Ich mache mir Gedanken über meine drei Gartenpflanzen, während in anderen Teilen unseres Landes ganze Existenzen von der Flut davongeschwemmt werden.

Normalerweise belasten mich Naturkatastrophen nur am Rande – weil sie doch stets irgendwo in der Welt stattfinden – weit weg von meinem idyllischen Tangstedt. Wir kennen hier keine Erdbeben, keine Wahnsinns Feuersbrünste, und auch Wirbelstürme fallen bei uns eher gemäßigt aus.

Umso mehr macht mich diese Flutkatastrophe betroffen. Als die ersten Meldungen aus Passau eintrafen dachte ich noch: Oh je, die Armen, kämpfen wieder mit dem Schmelzwasser aus den Bergen. Aber das sind die Passauer ja gewohnt. Wer hätte gedacht, dass sich daraus diese gigantische Flutwelle entwickeln würde.

Ich möchte nicht wissen, wie viele Tiere ertrunken sind. Wildtiere sowieso, aber auch Bauernhoftiere, die man einfach nicht schnell genug evakuieren konnte.

Flutkühe.

Bei uns soll es heute Nacht und morgen regnen. Ich bin froh darum, weil es hier so unglaublich trocken ist, dass es wahnsinnig staubt, der Boden auf der Wiese steinhart ist. Die Bauern haben die letzte Woche zur Heuen genutzt. Die Ernte ist zumindest in meiner Region exzellent ausgefallen. Das Gras stand bis zu den Oberschenkeln hoch und ist megatrocken eingefahren worden. Ich bin froh darum, denn andernorts wird es dieses Jahr wohl gar keine Ernte geben…

Während ich diese Zeilen schreibe bin ich sehr dankbar dafür, dass es mir und meinen Tieren so gut geht und ich allenfalls über schwüles Wetter klagen kann. Ich wünsche allen Betroffenen viel Kraft für die nächsten Wochen…