Es wird herbstlich – aber noch nicht im Stall Schöpke – Teil 2

Den zweiten Blogeintrag möchte ich Rasga widmen. Ich habe hier ja schon mehrfach über die 19-jährige Stute berichtet. Seit letztem Herbst habe ich sie alleine in Beritt, und es ist geradezu unglaublich, was sie für Fortschritte – immer noch – macht. Sie hat sich in ihrem ganz Wesen total verändert.

Ihr Selbstvertrauen ist um 1000 Prozent gewachsen. Sie braucht Donovan nicht mehr als Schutz, steht jetzt oft weit abseits beim Grasen. Und wenn sie lustig drauf ist, tobt sie wie ein junges Füllen über die Wiese, galoppiert und buckelt mit den anderen um die Wette. Früher kam bei solchen Aktionen nur ein flacher, stolperiger “Metzgertrab” zustande.

Wenn ich die Pferde nachmittags reinhole, rufe ich und klopfe einmal ans Tor. Fast immer ist es Rasga, die dann zuerst den Kopf hebt – und flott antrabt, um zu mir zu kommen. Dabei ist es ihr völlig egal, was die anderen Pferde machen. Die kommen dann natürlich auch, und Rasga lässt sich erst auf den letzten Metern zum Stall von Donovan oder Cera überholen.

Früher war sie stets die letzte beim Reinkommen und oft hat sie auch noch wieder kehrt gemacht, wenn ich mit dem Strick kam. Das ist völlig vorbei. Wenn sie mich in der Futterkammer mit Futter hantieren hört, bollert sie schon mal mit den Füßen an die Boxentür: “He, mach schneller, ich habe Hunger!” Das hätte sie früher auch nie gemacht. Es gab für sie Kraftfutter, und wenn nicht, dann eben nicht. Inzwischen hat Rasga gelernt, für sich zu fordern.

Überhaupt sieht sie viel wacher und lebendiger aus. Sie steht nicht mehr stumpf auf ihrem Balkon und blickt ins Leere. Wenn sie die Tür zur Stallgasse hört, dreht sie um und kommt rein, um zu sehen, wer da gekommen ist. Sie frisst deutlich mehr Heu, und ich muss im Winter keine Heucops mehr zufüttern.

Reiterlich sind wir ein eingeschworenes Team geworden. Sie weiß, was ich von ihr will und gibt sich allergrößte Mühe, meinen Anforderungen zu genügen. Und das tut sie wahrlich. Rasga ist kein Dressurpferd und wird es auch niemals werden. Aber was man durch konsequentes, liebevolles Training noch aus einem alten Pferd machen kann, das nie eine Dressurausbildung bekam, ist wirklich beeindruckend.

Ihr Stolpern ist völlig weg. Ebenso das eilige Davonrennen im Schritt. Wenn sie einen gelassenen Schritt geht, dann gehen ihre Hinterfüße sogar über die Spur der Vorderfüße hinaus. Nur wenige Zentimeter, aber immerhin. Früher blieb sie fast eine Hufbreite weit dahinter. Die Tendenz beim Reiten geht mehr und mehr “bergauf”, sie kann ihre Hinterhand deutlich mehr belasten. Weil das so ist, traue ich mich auch, sie mal mehrere Runden im leichten Sitz zu galoppieren. Ich muss keine Angst mehr haben, dass sie stolpert und wir beide hinfallen.

Ich zeige euch mal ein paar Fotos, die ich aus einem Video von vor zwei Wochen herausgenommen habe. Die Aufnahmen sind zum Teil unscharf, das tut aber dem Eindruck keinen Abbruch.

20130922172709-(1) Der Spanische Schritt ist eine einfache, aber geniale Übung, um die Pferdeschulter frei zu bekommen und das Gewicht auf die Hinterhand zu verlagern. Rasga liebt diese Lektion inzwischen und kann dabei auch im Schritt bleiben. Es hat viele Wochen gedauert, bis sie ihre Füße soooo hoch nehmen konnte.

Wie gerne würde ich den Spanischen Schritt in den Trab übertragen. Bei meiner Cera hat das geklappt. Rasga weiß inzwischen, was ich will, aber bislang hoppst sie stets mit beiden Vorderfüßen hoch, kann sich noch gar nicht ausbalancieren.

Hätte ich vor einigen Monaten noch gesagt: Das lernt sie nie!, sehe ich das heute anders. Vielleicht braucht sie einfach nur etwas länger…

Der Spanische Schritt unter dem Sattel klappt inzwischen auch immer besser. An guten Tagen schafft sie rund zehn Tritte sauber. Manchmal ist sie dabei aber so eifrig, dass sie aus dem Gleichgewicht kommt.

Überhaupt ist sie mit den Beinen sehr beweglich geworden.

20130922173140-(7)
20130922173140-(1) Rechtes Bein und linkes Bein! Deutlich zu erkennen, dass sie auch ihre Hinterbeine nachholt und nicht wie angewurzelt stehen bleibt.

Leider hat sich Rasga einen Spanischen Schritt mit angewinkelten Beinen angewöhnt. Lieber hätte ich ja ein gestrecktes Bein. Und noch lieber einen Spanischen Schritt, als ob sie über Wolken steigt. Das bietet sie mir gelegentlich an der Hand an. Dann setzt auch das Bein ganz leise, fast sanft auf. Aber das macht sie nur für zwei oder drei Tritte.

20130810165650-(2) 20130810165650-(1)
Wer hätte gedacht, dass man Rasga noch einmal für kurze Tritte begeistern kann! Schön zu erkennen, wie die Oberlinie immer runder wird, das ganze Pferd sich verkürzt.
20130922173140-(2) 20130922173140-(3)
Eine richtig gute Piaffe wird Rasga nicht mehr lernen, aber die kurzen Tritte klappen schon ganz ordentlich. Sie hat noch zuviel Vorwärts in den Tritten, weil sie ihre Hinterhand noch nicht genug senken kann. Immer öfter hebt sie dabei ihren Rücken, nimmt mich mit. Die Tritte sind nicht mehr erzwungen. Oft bietet sie mir die Tritte von selber an, wenn ich mich etwas gerader hinsetze und zu ihr sage “passssss auf”.
20130922173140-(5) 20130922173140-(4)
20130922173140-(6) Im Galopp im Leichten Sitz haben wir beide Spaß. Guckt mal, was für einen schönen Hals sie dabei macht. Die Ohren sind stets nach hinten auf mich gerichtet. Sie passt genau auf, was ich mache.

Und selbst, wenn ich sie am Hals streichel, fällt sie nicht aus, sondern galoppiert weiter. Wenn ich will, mehrere Minuten um den Platz. Und das mit gebissloser Zäumung und ohne Hektik ihrerseits.

20130922173140-(22) 20130922173140-(8)

Rasgas Trab ist viel taktreiner geworden. Er ist immer noch unbequem und wird es gewiss auch bleiben. Daher sitze ich sie nur minutenweise aus. Was sich dramatisch verbessert hat, sind die Seitengänge. Das Schulterherein im Trab lässt eigentlich kaum Wünsche offen. Die Traversalen klappen noch nicht. Dafür kann sie die Biegung nicht lange genug halten. Alle Seitengänge nach rechts (wo ich mein linkes äußeres Bein benutzen muss), fallen ihr schwerer. Mag aber auch daran liegen, dass mein linkes Bein das schwächere ist, ich damit nicht so effektiv treiben kann.

Der Galopp ist auch immer noch eine Katastrophe. Ich erinnere noch, dass ich sie anfangs kaum angaloppieren konnte und sie dann flach davongerannt ist. Ich hatte oft Mühe, meinen Hintern in der Nähe ihres Sattels zu halten. Das hat sich allerdings deutlich gebessert. Sie galoppiert heute völlig gelassen an. Große und kleine Kringel im Galopp sind kein Problem mehr. Sie kann Außengalopp – wenn ich die Ecken weglasse – und einfache Galoppwechsel. Aber es ist halt immer noch sehr unbequem. Ich hoffe, dass sie noch einmal mehr bergauf springen kann. Ich bin auch sicher, dass sie noch den Fliegenden Wechsel lernen könnte.

Ich schreibe Rasgas Geschichte hier so ausführlich auf, weil ich allen Reitern Mut machen möchte, auch ältere Pferde noch zu fördern und zu fordern. Es lohnt sich, und Rasga bedankt sich jedesmal mit ihrem Eifer, etwas zeigen zu dürfen, was sie schon kann! Schade, dass sie nicht noch zehn Jahre jünger ist!