Grenzen setzen

Donovan will und kann sich einfach nicht anständig unterordnen. Ich komme zwei, drei Tage gut mit ihm voran und dann hat er wieder einen “du-kannst-mich-mal”-Tag.
Er konnte schon wunderbar in gesetzten Schritten für gut 10 Meter rückwärts weichen, während ich an seiner Kruppe mitging. Seit zwei Tagen geht er wieder total breitbeinig, versucht, in die Hallenmitte zu driften oder sich mit Kopf zu mir umzudrehen.
Anweisung von Fritz Stahlecker: Ich soll mit ihm das spontane Antreten üben. Erst im Schritt, später auch im Trab und Galopp. Wenn ich Donovan dabei auf einer sehr großen Volte habe und in der Mitte stehe mit der Führleine in der Hand, klappt es ganz gut. Sogar im Trab. Meine Aufgabe ist aber: Donovan soll das an den langen Leinen machen. D.h. dass die Außenleine um seine Hinterbeine herumläuft. Die Leine selbst stört Donovan nicht. Aber die Tatsache, dass er so deutlich mehr eingegrenzt ist. Er spürt instinktiv, dass ich so mehr Macht über ihn habe. Und das passt ihm nicht.
Immer wieder fällt er in sein altes Muster zurück und er zerrt an den Ausbindern (die nicht besonders kurz sind!), steckt den Kopf nach unten, dass er sich fast den Sattel über die Ohren zieht. Den Klaps, den er sich dafür einfängt, muss ich gut dosieren – sonst geht die Luzie ab!
Ich versuche nun, schräg hinter ihm auf dem Zirkel mitzugehen, um die Spannung der Außenleine zu verringern. Der erste Tag war wirklich zum Jammern, gestern hat er ein bisschen besser mitgemacht.
Heute war er wieder der alte Sausack. Er testet alles Material auf seine Festigkeit. Noch halten Kappzaum, Leinen und Ausbinder…
Kriegt er einen Klaps mit der Gerte, weil er einfach nicht zuhört, steht ihm die pure Entrüstung im Gesicht! Was ich mich unterstehe, ihm Vorschriften zu machen!
Ich trage es mit Humor. Ziehe stur mein Programm durch. Das spontane Antreten und vor allem das anschließende Durchparieren klappte heute nur mäßig. Dafür ging er einigermaßen willig rückwärts. Wenn mir das prompte Antreten einmal gut gelingt, ist das die halbe Miete, weil Donovan dann gelernt hat, sich zu fügen. Die anderen Übungen werden mir dann in den Schoß fallen, weil Donovan außergewöhnlich gelenkig und biegsam ist. Das gilt für seinen Körper, noch nicht für seinen Geist und seine Einstellung zur Arbeit.
Wenn ich ihn angehalten habe, lasse ich ihn so lange stehen, bis er ein Zeichen von Entspannung zeigt. Das kann schon mal 30 Sekunden dauern. Dann darf er wieder antreten. Vielleicht hilft ihm das, schneller zu entspannen.
Was supergut geht, ist das Geradestehen. Wenn ein Fuß nach hinten raussteht genügt die Stimme, und er rückt sich zurecht. Immer öfter tut er es auch von ganz alleine, wenn ich ein, zwei Sekunden warte.
Also kleine Lichtblicke gibt es schon. Aber insgesamt steckt da doch deutlich mehr Arbeit drin, als ich es mir gedacht habe.
Eines Tages werde ich mit ihm piaffierender Weise durch die Halle tänzeln! Dann gibt es ein rauschendes Fest für alle. Versprochen!