Rasga macht unglaubliche Fortschritte

Seit dem Winter 2012 ist Rasga mein Berittpferd. Rasga ist eine hoch sensible, manchmal sehr stutenhafte “alte Dame”, die vorher keine Dressurausbildung genossen hat. Sie kannte keine Seitengänge, kein dressurmäßiges Angaloppieren, natürlich kein Gehen in vernünftiger Haltung.

Gerne ging sie mit lang gestrecktem Hals, Nase fast in den Boden gebohrt, total auf der Vorhand. Ihr Schritt war extrem untaktmäßig und kurz, der Trab ebenfalls hart und unrhythmisch. Alle Nase lang stolperte sie, weil sich die Vorderfüße so in den Boden bohrten.

Rasga kannte keine Dressurgerte und trat heftig nach ihr, wenn ich sie damit antickte. Was hat sie sich inzwischen verändert! Und wer würde denken, dass diese feine Stute in diesem Frühjahr ihren 20. Geburtstag feiert?

Travers, Schulter herein, Seitengänge über die Diagonale, Volten und Schlangenlinien, Korrektes und vor allem ruhiges Angaloppieren auf feine Hilfen – und vor allem das Anticken mit der Gerte – das alles ist für sie kein Problem mehr. Vor gut einem Jahr habe ich sie komplett auf gebissloses Reiten umgestellt. Ich hätte nicht gedacht, dass Rasga darauf so gut anspricht. Sie geht viel williger in schönerer Haltung.

Natürlich wird Rasga mit ihren körperlichen Mängeln und auf Grund ihres Alters nie ein tolles Dressurpferd werden können. Ihr Trab wird eher hart und unbequem bleiben, und den Galopp kann sie auch nur bedingt noch weiter verbessern. Aber darauf kommt es nicht an.

Mich fasziniert an dieser Stute so, wie eifrig sie mitarbeitet, wie sie versucht zu erahnen, was ich von ihr möchte. Ich habe sie ein paar Wochen in HSH-Ausrüstung am Boden gearbeitet und hätte nie gedacht, dass sie die kurzen Tritte noch stressfrei erlernen könnte. Da habe ich mich geirrt.

Die kurzen Tritte, die fast schon in die Piaffe gehen, könnten noch viel ausdrucksstärker sein. Das wird sie vermutlich nicht mehr lernen. Dafür genügt ein aufmunterndes “komm, komm” im Takt, um sie zum Treten zu bringen. Mit der Gerte tippe ich sie im Takt an der Kruppe an, um die Tritte zu verstärken. Rasga macht immer freudig mit. Niemals würde sie mich treten, so dass ich relativ dicht hinter ihr gehen kann. Das war anfangs nicht so.

Mein nächster Schritt wird sein, Rasga wieder auszubinden, damit sie noch mehr ihre Oberlinie im Rücken einsetzt. Das Ausbinden habe ich im letzten Jahr weggelassen, damit sie besser ins Gleichgewicht kommt. Oft musste sie den Kopf tritteweise sehr hoch nehmen, um nicht umzukippen. Ich glaube, dass sie das jetzt gar nicht mehr braucht und ihre Gänge mit Ausbindern (am Kappzaum!) besser werden. Ich bin schon ganz gespannt, davon ein Video zu bekommen!

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20140428173621-(7) Rasga im Spanischen Schritt. Wenn ich daran denke, wie viel Mühe sie damit hatte, obwohl ich neben ihr herging! Jetzt kann sie den Spanischen Schritt selbst dann, wenn ich ganz gerade hinter ihr gehe. Ich zeige ihr das Stöckchen noch von der Seite, aber das brauche ich bald nicht mehr. Ich habe ein neues Startsignal eingebaut, das Rasga nur noch prompt umsetzen muss.
Rechts: Der Galopp. An der Hand springt sie willig auf kleinste Zeichen hin an. Auch das war vor einem Jahr ein totales Gequäle, weil sie nur losrennen oder nach der Gerte schlagen konnte. Aber der Galopp ist und bleibt ihre “Problem”-Gangart. Sie kann sich noch nicht genug gerade richten, lehnt sich auf die innere Schulter. Dass sie allerdings ganz ruhig und gelassen galoppiert und das auch noch auf Voltengröße, ist bemerkenswert. Vielleicht findet sich der Rest auch noch… 20140428173621-(3)
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20140428173621-(10) Auf die kurzen Tritte bin ich besonders stolz. Wer hätte jemals gedacht, dass ein Pferd, das im Körper ein bisschen lang ist und in 18 Jahren nie dressurmäßig ausgebildet wurde, dazu in der Lage sein würde, seine Hinterhand so zu aktivieren. Auf den oberen Fotos hebelt sich Rasga ein wenig mit dem Kopf heraus, ist aber überaus eifrig auf den Beinen. Das letzte Bild links finde ich total grandios. Was für eine Hankenbiegung.

Und um es noch einmal zu wiederholen: Rasga ist 20 Jahre alt!