Sachen gibt's…

Gestern bekam ich einen "mysteriösen" Anruf:

"Ähm…, mein Name ist Christine. Ich habe Ihren Namen und ihre Telefonnummer von Christina (das ist meine Reitschülerin). Ich suche eine Möglichkeit, eine Frau in einer Badewanne zu fotografieren – mitten im Grünen, und da meinte Christina, ich solle es mal bei Ihnen versuchen…"

Weil ich gerade Unterricht gab und nicht wirklich Zeit hatte, vereinbarten wir für heute ein Treffen, um meine Badewanne, die eigentlich mal als Tränke für die Pferde dienen soll, mal in Augenschein zu nehmen.

Das war heute gegen Mittag. Die Badewanne war zwar erdig und schon grasbewachsen, weil sie seit mindestens vier Jahren verkehrt herum in der Ecke meiner kleinen Dreieckswiese auf ihren Einsatz wartet, aber sie sagte den jungen Fotografinnen zu.

Gemeinsam schleppten wir das Teil vor die beiden Offenstallboxen, um in die Nähe des Wasserschlauchs zu kommen. Mit einem Schwamm, etwas Spüli und tüchtig Wasser, sah die Wanne nach nur wenigen Minuten fast aus wie neu – und glänzte mehr, als meine hässlich grüne Wanne in meinem eigenen Bad.

Nun erfuhr ich auch den genauen Plan der Freundinnen: Sie nehmen an einem Fotowettbewerb teil, der ihnen – wenn sie gewinnen – einen größeren Fotoauftrag beschert. Zielobjekt sollte eine kunstvoll fotografierte Badewanne sein. Ihre Idee: eine Frau (von ihr sieht man aber nur die Füße) liegt genüsslich in einem Schaumbad mitten im Grünen.

Für ein ordentliches Schaumbad braucht man natürlich Badewasser, ordentlich viel Schaum – und einen Badewannen-Stöpsel, damit das Wasser auch da bleibt, wo man es hintut…

Da war schon das erste Problem: Die Wanne hatte weder Abfluss-Sieb noch Stöpsel. Also zogen die zwei los, sich mit entsprechenden Utensilien im Baumarkt zu versorgen. Als sie zwei Stunden später wieder kamen, hatten sie nicht nur den Badewannenverschluss dabei, sondern auch eine neutrale Fliese, um den Unterbau der Wanne zu kaschieren, zwei Styropor-Platten, das "Fuß-Model" und ihre Mutter, die sie als Schaumschlägerin einsetzen wollten.

Im Baumarkt war ihnen nämlich die Idee gekommen, gar kein Wasser in die Wanne zu füllen, sondern sie so mit Styropor auszupolstern, dass man nur den Schaum, die Füße und tüchtig viel Grün drum herum auf dem Foto sieht. Das Wasser denkt sich der Bildbetrachter ja von selbst dazu. Am meisten darüber gefreut haben dürfte sich die junge Dame, die zweieinhalb Stunden bäuchlings in der Wanne ausharren musste…

Außerdem wäre es eine ganz schöne Plackerei geworden, die 200 Liter Wasser auf die Weide zu schleppen.

Die Szenerie war so abenteuerlich, dass ich Teile davon mit der Kamera festgehalten habe. Auch meine Pferde standen die ganze Zeit auf ihren Paddocks in der prallen Sonne, um etwas von den ungewöhnlichen Aktivitäten mitzubekommen.

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Nach einigen Versuchen war der Standort der Wanne bestimmt. Die junge Frau hat bereits darin Platz genommen. Ihr Po und die Oberschenkel sind mit dem Kunststoff abgedeckt, nun wurde die Außenwand mit der Fliese verkleidet.

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"Was meinst du, ist das gut so?" Ein erster kritischer Blick…

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Hier seht ihr Mama im Einsatz: Als gute Hausfrau weiß sie mit dem Küchenquirl umzugehen. Ein Badezusatz der Firma Kneipp versprach auf dem Etikett "extra viel Schaum". Und so mixte sie…

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…Eimerchen für Eimerchen frischen Schaum. Ganz schön anstrengend, denn der Werbeaufdruck "extra viel Schaum" hielt nicht wirklich, was er versprach.

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Der frische Wind, der zwischendurch immer wieder aufkam – meine Pferde haben sich darüber gefreut! – und die intensive Sonne, ließen die weiße Pracht immer wieder rasch in sich zusammensinken.

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Neben der Wanne seht ihr noch ein paar Stiele von meinem Schilf aus dem Garten. Das sollte zusätzlich zur Stimmung beitragen. Ganz dekorativ auch das rosa Stück Seife am Badewannenrand…

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Immer wieder legten sie Hand an, richteten den Schaum neu aus, wischten die Ränder der Badewannen sauber.

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So entstanden viele Fotos, die zeitgleich mittels Kabel auf den mitgebrachten Laptop übertragen wurden, der unter einem Sonnenschirm aufgebaut war.

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Auf den letzten beiden Fotos könnt ihr ganz gut erkennen, wie das Foto aussehen wird.

Es war schon fünf Uhr durch, als alle Arbeiten abgeschlossen waren. Inzwischen war auch die Sonne verschwunden, und das Fuß-Model hatte noch einen wichtigen Termin.

Die beiden versprachen, mir in jedem Fall das Foto zuzuschicken, das an dem Wettbewerb teilnehmen wird. Ich werde es vielleicht Mittwoch bekommen und natürlich hier hineinstellen! Bereits am Donnerstag soll die Entscheidung fallen, wer gewonnen hat, bzw. den Fotoauftrag bekommen wird!

Ich drücke den beiden die Daumen – schon allein deshalb, weil sie versprochen haben, mich für den Einsatz zum Essen einzuladen, sollten sie tatsächlich den Zuschlag bekommen.

Ich bedanke mich jedenfalls für eine spaßige Episode in meinem Stall und einen hoffentlich ebenso fröhlichen Eintrag in diesem Blog – und natürlich für den neuen Badewannenstöpsel, den sie mir geschenkt haben!