Unerträgliche Hitze und ein fieser Zahn-OP-Termin, der immer näher rückt…

Während in einigen Landesteilen Deutschlands die Welt untergeht, ganze Ortschaften unter Starkregen und Hagelschauern beinah davonschwimmen und unter Blitzen und Donnerschlägen erzittern, schwitzen wir in Tangstedt bei rund 28-30 Grad im Schatten – und das seit über zwei Wochen!

Die letzten Regentropfen (das war wohl das angekündigte Unwetter!) fielen am Samstag. Ich kann die Regenmenge anhand des Wasserstands, den ich morgens in meinen Schubkarren finde, abschätzen. Nun ja, es waren höchstens zwei Kaffeebecher voll. Zur selben Zeit hat es in Hamburg unwetterartig geregnet…

Die Weiden fangen an zu verdorren, das Gras wird strohig und gelb. Dabei bin ich dieses Jahr noch ganz gut dran, denn die Weide ist weniger weit abgefressen als sonst zu dieser Jahreszeit.

Woran das liegt? Die Pferde wollen partout nicht auf die Weide. Wir haben hier schon mehr als komische Vierbeiner! Üblicherweise beginnt der Weideauftrieb mit Cera, die ja in der letzten Box steht. Ich gehe die Stallgasse entlang, öffne nacheinander alle Boxen und schicke die Pferde vor mir her. Seit einer knappen Woche ist mir das nicht mehr möglich. Cera kommt von alleine nicht aus der Box. “Ich soll auf die Weide und mich von den Insekten zerstechen lassen? – Niemals!”.

Also nehme ich einen Strick und führe sie an den Boxen vorbei, die ich nacheinander im Vorbeigehen öffne. Donovan, Dango und Rasga kommen mit – bis direkt vor die Stallgasse, um dann scharf links auf den Reitplatz abzuwenden. Dort nehmen sie ein genüssliches Staubbad und TRABEN den Reitplatz entlang zum hinteren Eingang der Stallgasse, wo sie sich artig zurück in ihre Boxen sortieren. Cera alleine zum Paddock zu führen und hinter hier das Tor zu schließen kann ich vergessen.

Heute Morgen habe ich vier Reitplatz-Stallgassenrunden mit den Pferden gedreht. Und das morgens um 6.30 Uhr. Da war es wirklich noch angenehm kühl! Jedenfalls für meine Begriffe. Muss lustig ausgesehen haben, wenn ich so nur in Hausschlappen und dürftig bekleidet noch etwas schlaftrunken rumlaufe. Ich will ja anschließend wieder ins Bett. Ich habe schließlich den Reitplatz abgesperrt, jedes Pferd einzeln vor die Stallgasse geführt und hinter ihm die Stallgassentür geschlossen. Nun gab es nur noch den einen Weg zum Paddock.

Wenn ich sie so gegen ihren Willen zwinge, sich zu bewegen, schlendern sie bis zur großen Eiche auf dem Paddock und parken dort, dicht im Pulk stehend! Und das volle vier Stunden lang!

Ich habe auch schon versucht, selbst zur Weide zu gehen. Dann kommen sie mir in der Gruppe ja immer hinterher. Aber kaum, dass ich mich umdrehe um zurückzugehen, donnern sie im wilden Galopp zurück zu ihren Parkplatz unter der Eiche!

Ich muss zugeben, dass wir dieses Jahr ungewöhnlich viele stechende Insekten haben. Auf der Mistplatte tummeln sich hunderte von beißenden Dasselfliegen, auf der Weide und dem Paddock werden die Tiere von Bremsen und Mücken aufgefressen. Sie sind schon ganz zerstochen – trotz Insektenschutz…

Es ist tagsüber bis in die frühen Abendstunden so unglaublich schwül und insektig, dass an ein Reiten draußen gar nicht zu denken ist. Am Sonntag haben wir dann die Halle tüchtig gesprengt. Da ist es nach zehn Minuten fast noch schlimmer. Man kriegt gar keine Luft, weil die hohe Luftfeuchtigkeit und die Sonne, die durch das Hallendach scheint, Saunabedingungen simuliert.

Was soll’s. Dann haben die Pferde noch eine Woche lang Pause. Sie werden ja von den Reitschülern und von mir gut betreut und betütelt.

Für mich zählt zurzeit sowieso nur ein Termin: Der Donnerstag (31.7.). Da habe ich meine große Zahnrenovierung. Fünf Stunden Vollnarkose. Ich hoffe, dass ich das ganz gut wegstecken kann – trotz der Hitze, die auch für das Wochenende wieder angekündigt ist. Drückt mir mal die Daumen, dass ich schon bald wieder kraftvoll zubeißen kann! Jetzt heißt es erst einmal eine Woche lang die Füße stillhalten. Ich darf mich körperlich nicht anstrengen, muss zusehen, wie andere meinen Stall versorgen… Ich werde mich daran halten!