Unser Besuch bei der Stutenparade in Ganschow

Stutenparade in Ganschow – im 15. Jahr! Da durfte unsere kleine Stalltruppe natürlich nicht fehlen! Reitschülerin Rita hatte mich schon vor vielen Wochen auf die Idee gebracht, einmal Ganschow zu besuchen, und so hatte ich diese Veranstaltung schon vor fast drei Monaten "ins Programm" genommen und die Karten bestellt. Gestern war es dann endlich so weit.

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Lauter fröhliche Gesichter. Von links: Annette, Sabrina, ich, Karin und Gabi. Christina und Elsa sind nicht auf dem Bild, das Sabrinas Freund mit Annettes Kamera für uns schoss…

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Sehen wir mit den neuen Jacken nicht richtig professionell aus? Wir haben allemal die Blicke der anderen Besucher auf uns gelenkt!

Aber der Reihe nach: Wir sind in absolut strömenden Regen hineingefahren. Es schüttete aus Kübeln! Aber: Je weiter wir nach Osten kamen, desto mehr klarte es auf. Und In Ganschow selbst (war gar nicht so leicht zu finden, und ich bin auch nicht sicher, dass ich die kürzeste Strecke gefahren bin!) war zwar recht windiges, aber Gott sei Dank trockenes Wetter. Wir trudelten gegen 11.00 Uhr auf dem Festplatz ein.

Nach einer kurzen Besichtigung der Ställe, der vielen Jungpferde und des einzigen Standes mit Reitsportartikeln haben wir uns erst einmal gestärkt: Spanferkel mit Sauerkraut. Echt lecker und günstig.

Während wir unsere Essenpause machten, füllte sich der Platz zusehends. Beginn der Parade war 13.00 Uhr, und es wurde auch wirklich pünktlich angefangen.

Nach einer kurzen Eröffnungsrede, Begrüßung und dem Vorstellen einiger Pferde und Reiter kam für mich gleich das Highlight des Tages, Programmpunkt 2: Ein Deckhengst (ich glaube, es war "Donautraum") lief, weiß bandagiert, frei in der Bahn. Was rede ich, "schwebte" frei in der Bahn, während ein Trompeter in der Mitte des Platzes ein Solo spielte.

Ein stilles, berührendes und dennoch unglaublich beeindruckendes Bild. Was für ein Pferd! Der Hengst galoppierte majestätisch über den Platz. Er buckelte nicht, scheute nicht – er präsentierte sich!

Die zweifellos spektakulärste Nummer war die mit dem Riesen-LKW und dem Gespann. Die Leute, die schon letztes Jahr auf der Stutenparade waren, kennen die Nummer, die unter dem Motto "Grenzenloses Vertrauen" stand:

Der LKW fährt einmal um den Platz, bleibt stehen, und ein Trecker mit Frontlader bringt eine Riesenrampe herbei, die hinten angestellt wird. Dann gehen die Türen auf und ein Vierspänner fährt herunter. Er dreht ein paar gekonnte Runden auf dem Platz – und fährt die Rampe hinauf wieder in den LKW hinein! Dann soll der Laster vom Platz gefahren werden – aber er streikt! Motorschaden? Der Kommentator blieb gelassen. Egal, wir fahren mit dem nächsten Programmpunkt fort!

Ca. 20 freilaufende Junghengste – einer schöner als der andere – galoppierten über den großen Platz. Die Helfer hatten Mühe, die quirlige Bande im Zaum zu halten. Dann öffnete sich das Riesentor zur großen Weide, und die Herde galoppierte vorbei an dem großen Laster ins Grüne.

"Wir müssen die Kutsche ausladen, um den LKW vom Platz ziehen zu können", tönte es aus dem Lautsprecher. Ich dachte mir noch: Wie soll die da jetzt runter kommen? Rückwärts? Das geht doch gar nicht. Na ja, was soll ich sagen: Die Rampe wurde flugs wieder angestellt, die Türen geöffnet und das Gespann trabte rasant herunter – vorwärts! Und: Es waren nicht mehr vier Pferde, sondern sechs!, die angespannt waren…

Der Defekt des Lasters gehörte also mit zum Programmpunkt, und die Helfer hatten im LKW doch tatsächlich die vier Pferde abgeschirrt, die Kutsche gedreht, die Pferde wieder davor gespannt und außerdem noch die beiden Pferde zusätzlich angespannt, die von Anfang an im LKW ausgeharrt hatten. Dass die von nunmehr sechs Pferden gezogene Kutsche wieder vorwärts die Rampe hinauffuhr, muss ich wohl nicht extra erwähnen… Das war wirklich eine Meisterleistung, von Fahrern und Pferden!!!

Es folgten noch drei weitere Programmpunkte, ehe es in eine halbstündige Pause ging. Die nutzten wir für einen Kaffee, ich habe mir noch eine Bratwurst geholt, und Elsa? Die entdeckte am Pferdezubehörstand das:

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Artur! Den hat sie mir geschenkt – eine schnuckelige Handpuppe, die unglaubliche Gesichter ziehen kann. Mal sehen, was ich mit Artur noch so alles anstelle. Sieht er nicht wirklich herzallerliebst aus?

Gleich nach der Pause gab es ein weiteres Highlight: eine Fahrquadrille aus 16 Kutschen! Zum Abschluss bildeten die Kutschen eine großen Zirkel in der Mitte des Platzes, und während die Fahrer im Kreis fuhren, kamen so an die 30 Jungpferde herein galoppiert, angeführt von der tollkühnen Reiterin Tina Rother, die der Herde als "Leitstute" voran galoppierte und zwar immer um den Ring aus Kutschen herum. Das alles im wilden Galopp, mehrere Minuten lang, ehe sich wieder das große Tor zu den Weiden öffnete, und alle – Tina Rother wieder vorweg – hinausstürmten. Die Frau ist wirklich mutig!

Der vorletzte Programmpunkt des Tages war die Verlosung des Fohlens. Obwohl wir alle ein Los gekauft hatten, gingen wir doch (Gott sei Dank?) leer aus…

Der krönende Abschluss war wie jedes Jahr der Aufmarsch von 100 PS: An die 100 Pferde, die frei galoppierend über den Platz jagten, bis auch sie durch das große Tor auf die Weiden stürmten. Man kann sie von der Tribüne aus eine ganze Weile mit den Augen verfolgen, ehe sie am Horizont verschwinden, denn Weide gibt es dort so weit das Auge reicht…

Auffällig war: Alle Pferde waren in einem außergewöhnlich gutem Zustand, keine Schrammen, keine Verletzungen, keine Rangeleien untereinander – und das trotz der lauten Musik und der vielen Menschen. Meine Pferde wissen ja gar nicht, in welch einem Sanatorium sie leben…

Alles in allem war es ein gelungener Tag, wenn auch sehr anstrengend – schon allein wegen der fast dreistündigen Autofahrt sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg. Und wir waren uns wieder alle einig, dass wir so eine Veranstaltung noch einmal besuchen wollen, vielleicht ein wenig mehr in unserer Nähe…